Diaspora LogoDer 32C3 Vortrag von Katharina Nocun zum Thema "Gated Communities" und die zunehmende Datensammelei und das stetig sinkende Niveau bei Facebook brachte mich dazu, mich einmal etwas mehr mit dem Thema Diaspora zu beschäftigen.

Bei Diaspora* handelt es sich um ein freies, soziales Netzwerk, dessen Podserver (Knoten) als verteilte Systeme miteinander agieren. Jeder Anwender kann entweder einen eigenen Pod aufsetzen oder einen der vielen öffentlichen Server für die Anmeldung verwenden. Andere Benutzer findet man entweder über den Realnamen (oder das, was vom Benutzer eingetragen wurde, es gibt keine Klarnamenpflicht) oder den Benutzernamen, der sich aus einer selbstgewählten ID und der Pod-Adresse zusammen setzt, z.B. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Das Projekt wurde 2010 über ein Kickstarter-Projekt realisiert und 2012 wurde es der Community übergeben und seitdem als Open Source Software weiterentwickelt.

  diaspod.de Diaspora

Ähnlich wie bei Facebook oder Google Plus können Beiträge erstellt und öffentlich oder nur mit bestimmten Kontakt-Gruppen, sogenannten Aspekten, geteilt werden. Auch eine interne Nachrichten-Funktion ist enthalten. Es gibt diverse Schnittstellen und APIs zu anderen Diensten wie Twitter, Wordpress, Tumblr und Konsorten.

Nach etwas Überlegung habe ich mich nicht bei einem der öffentlichen Podserver angemeldet, sondern unter https://diaspod.de einen eigenen Podserver installiert. Das Ganze läuft unter Debian 8 (Jessie) auf einem Virtual Server bei Hosteurope, wobei ich die Einrichtung der erforderlichen Komponenten wie Ruby und Redis in Verbindung mit MySQL und dem Apache Load Balancer durchaus als leicht tricky bezeichnen würde.

Nach dem Start und der ersten Anmeldung kam erstmal die Ernüchterung - es gab in der Timeline so gut wie nichts zu sehen, sogar öffentliche Beiträge, die ich auf einem anderen Podserver mit einem Testaccount lesen konnte, fehlten komplett. Also erst einmal wie im Diaspora Wiki beschrieben, ein paar aktive Podmins und Entwickler zu den Kontakten hinzugefügt und einen ersten #Neuhier bzw. #newhere Post geschrieben. Und siehe da, je mehr Kontakte ich zu Usern auf anderen Pods hatte, umso mehr füllte sich die Timeline.

Letztendlich habe ich mich dazu entschlossen, meinen Podserver öffentlich zu machen, so dass sich darüber weitere User bei Diaspora anmelden können. Wer einmal einen Blick in das soziale Netzwerk werfen möchte, kann das gerne tun: diaspod.de. Alternativ findet ihr hier eine Liste mit weiteren, öffentlichen Podservern: https://podupti.me.

Hier noch ein paar Tipps für die Anmeldung:

  • Bei der Anmeldung wird zuerst ein Username gewählt - im weiteren Verlauf kann zusätzlich ein Name (z.B. ein Realname oder irgendwas anderes) hinzugefügt werden - darüber kann man ebenfalls gefunden werden.
  • Unter "Einstellungen" -> "Profil" sollte man das Häkchen bei "Anderen erlauben, auf Diaspora nach Dir zu suchen" setzen, sofern man gefunden werden möchte.
  • Es macht Sinn, im Profil ein paar Hashtags mit Themen, die Dich interessieren oder beschreiben, hinzuzufügen.
  • Wer mag, kann nach der Anmeldung einen ersten, öffentlichen #neuhier oder #newhere Post erstellen, meistens gibt es dann schon die ersten Reaktionen und mögliche Kontakte zu anderen Benutzern.
  • Unter "Tags, denen Du folgst" füge für Dich interessante Themen hinzu. Öffentliche Posts mit eben diesen Hashtags werden dann auf Wunsch in deiner Timeline angezeigt.
  • Und zu guter Letzt: Ganz allgemein kann man Kontakte, die einem z.B. aufgrund ähnlicher Interessen interessant scheinen, direkt zu den eigenen Aspekten hinzufügen. Kontakte knüpft man auf Diaspora schneller als Freundschaften auf Facebook. Das Hinzufügen von Kontakten lässt sich mit dem Followen bei Twitter zu vergleichen.

Ein paar Mankos möchte ich nicht verschweigen. Beispielsweise funktioniert die Suche nach dem Namen nicht zwischen den Pods, es sei denn, der User ist dem eigenen Pod bereits bekannt. In diesem Fall muss man über die komplette ID suchen, also z.B. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Des Weiteren lassen sich in neuen Beiträgen andere User markieren, in dem man einfach den Benutzername mit einem vorangestelltem @ einträgt, jedoch ist das Markieren nicht in den Kommentaren möglich. Zudem können Kommentare momentan nicht "geliked" werden. Und eine Funktion fehlt mir wirklich: Die podübergreifende Suche nach getaggten Beiträgen, z.B. #neuhier oder #raspbery. Auch hier werden nur lokal bekannte Beiträge aufgegriffen oder solche von anderen Podservern, mit denen bereits eine Interaktion eines Users stattgefunden hat. Hierfür gibt es jedoch Bestrebungen, eine solche Funktion mittels Relay-Server zu implementieren.

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